Per Mail sind die ehemaligen Bewohner_innen der Grawertstraße bis auf Weiteres erreichbar über: grawertstrasse at riseup.net

Warum wohnen wir hier?

Es gibt zahlreiche leer stehende Wohnungen in Münster. Trotzdem ist es fast unmöglich, eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Besonders problematisch ist dies zentrumsnah.
Wir wollen diesen Zustand ändern und gegen überhöhte Mieten und Gentrifizierung, dass heißt das Verdrängen von finanziell schlechter gestellten Menschen aus den Innenstädten, protestieren.
Wir möchten mit mehreren Menschen gemeinsam wohnen, leben, uns ernähren, und kulturell schöpferisch tätig sein und dabei neue Lebensmodelle ausprobieren. Gerade dafür ist es schwierig, geeignete Räume zu finden.
Wir möchten einen Beitrag zu einer anderen Gesellschaft liefern. Wir wollen im sozialen Austausch mit umliegenden Nachbarschaften und den Menschen stehen und erhoffen uns Lernzuwachs und gewinnbringenden Austausch.
Unser Haus soll offen für alle Menschen sein, die Lust haben, sich auf menschliche Begegnungen einzulassen.
Selbstbestimmtheit
Wir bestimmen selbst, wie wir leben. Wir leben unabhängig von gesellschaftlichen Zwängen. Dabei wird es Raum für Selbsterfüllung und Entfaltung geben. Wir handeln frei aus unserem Selbstverständnis als kritisch reflexive Menschen heraus und scheuen uns nicht, uns über Regeln hinwegzusetzen, die uns an einer Begegnung und einem Miteinander unter den Menschen z.B.: entlang ökonomischer oder kultureller Grenzen hindern. Wir wohnen hier, weil wir es wichtig finden hier zu wohnen.
Wir sind uns bewusst, dass unsere Wohnform durch das Gesetz der Bundesrepublik Deutschland als illegal bezeichnet wird, sind aber überzeugt von ihrer menschlichen und ethisch moralischen Legitimität. Deshalb werden wir als Gruppe die juristischen Konsequenzen auch gemeinsam tragen und überwinden.

Gemeinschaftlich leben
Wir reißen durch unser soziales Miteinander in u
nserem Haus Barrieren ein, die im normalen gesellschaftlichen Kontext bestehen und immer wieder neu produziert werden. Dies gilt sowohl für die Barrieren innerhalb unserer Gruppe als auch zum und im Rest der Gesellschaft.
Wir streben ein hierarchiefreies und gewaltfreies Wohnen und Begegnen an.
Es wird Gemeinschafts- und Privaträume, Räume die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und Rückzugsräume geben. Als wichtiger gemeinschaftlicher Begegnungspunkt soll ein fester Termin pro Tag das gemeinsame Kochen und Essen sein.

In unserem gemeinsamen Alltag ist es uns wichtig, über unsere Ängste und Gefühle offen reden zu können, sodass Vertrauen und Sicherheit gewährleistet sind. Diese Sicherheit wird durch unsere Solidarität gestärkt.

Offenheit

Wir schaffen einen Raum, um sich zu treffen, für Diskussionen, Zukunftsvisionen und Utopien und leben diese gleichzeitig.
Es können Menschen mit verschiedenen politischen Einstellungen in den Häusern leben, eventuell auch in mehreren kleinen Wohnprojekten.
Wir sind auch offen für neue Menschen, und nehmen zum Beispiel Couchsurfer_innen/Gäste gerne auf. Außerdem sind wir gastfreundlich und laden auch die Nachbar_innen und andere Menschen zum regelmäßigen Nachbarschafts-Café ein.

Ökologisch leben

Wir möchten die Welt retten.. Nein! Wir retten die Welt und deshalb leben wir ökologisch nachhaltig. Wir kochen vor allem vegan, weil wir die heutige, gängige, industrielle Tierhaltung nicht unterstützen. Wir verwenden hauptsächlich biologisch, saisonal und regional angebaute Lebensmittel. Zusätzlich versuchen wir nicht genutzte Ressourcen in unserer Umgebung sinnvoll zu nutzen..
Dazu legen wir einen offenen Gemeinschaftsgarten an, bei dem wir mit ökologischen Anbaumethoden experimentieren. Diese Experimente sollen aber auch Wasser- und Energiekreisläufe betreffen (Regenwasser sammeln, Kompost-Toilette, Terra Preta).
Wir wechseln zu Ökostrom.

Kunst, Kultur und Politik

Das Private ist politisch und eben deshalb übernehmen wir auch gesellschaftliche Verantwortung und schaffen einen Raum für politische Diskussionen und Workshops, sowie offene Kunst- und Kulturveranstaltungen für alle Menschen, auch ohne Geld. Dies sind Beispiele:
Konzerte, Jam Sessions, Spieleabende, Filmabende, Ausstellungen, Tanz, Clowns, Umsonst-Nachhilfe, Lerngruppen, Gemeinschaftsarbeit im Gemeinschaftsgarten (Experimente mit ökologischen Anbaumethoden), Strickkurse, Rain-Water-Harvesting, Straßenfest, Volxküche, Diskussionen über alternative Ökonomie, Workshop zur gewaltfreien Kommunikation u.ä.

Perspektive
Wir denken zukunftsorientiert. Deshalb werden wir auch in Kommunikation mit den Eigentümer_innen der Häuser treten. Wir werden aber nicht zum ortsüblichen Mietpreis zur Miete wohnen, weil dieser viel zu hoch ist. Außerdem stellen wir das klassische Mietverhältnis in Frage. Langfristig wünschen wir uns, dass die ganze Straße wieder mit buntem Leben gefüllt ist.