Archiv der Kategorie 'Solidarität'

Freiraumralley

An dieser Stelle ein Hinweis auf eine Veranstaltung unter dem Motto „Wem gehört die Stadt?“ die sich mal anders mit sozialer Ein- und Ausgrenzung in der Stadt Münster beschäftigt. Viel Spaß bei der Ralley am 25. Juni (Treffpunkt 14 Uhr vorm AStA-Häuschen).

Mehr Informationen: www.grevener.blogsport.de

Politik und Nachbar_innen

Es gibt weitere Unterstützung, eine Pressemitteilung von den LINKEn, die sich hier in voller Länge nachlesen lässt. Darin heißt es unter anderm

„Dass eine friedliche Nutzung eines ungenutzten Gebäudes derartig kriminalisiert wird, ist schwer zu vermitteln,“ betont Sprecherin Iris Toulas. „Eine schnelle Lösung für die BewohnerInnen und eine Rücknahme der Strafanzeige ist in Anbetracht der breiten Sympathiebekundungen für ein solches Projekt auch für die Politik angezeigt.“

Bereits letzte Woche schrieben Nachbarn aus der Sibeliusstraße einen Brief an die BImA:

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit zwei Wochen ist ein Haus in der Grawertstraße belebt. Als Nachbarn freuen wir uns sehr darüber. Es ist wirklich nicht besonders angenehm, über Jahre auf dem Weg nach Hause durch eine ausgestorben wirkende Siedlung gehen zu müssen. Auch Besucher sprachen uns immer wieder darauf an, wie gespenstisch sie den Weg zu uns fanden.

Wenn man weiß, wie viele Familien und Studierende in Münster vergeblich bezahlbaren Wohnraum suchen, so ist dieser jahrelange Leerstand von so vielen Wohneinheiten wirklich ein Skandal!
Es wurde also höchste Zeit, dass sich jemand dieses Missstandes annahm, eine breitere Öffentlichkeit von diesem Problem erfahren konnte und dass beispielhaft und konkret gezeigt wird, wie eine Nutzung der Häuser aussehen kann.

Nun begegnen uns freundliche, offene junge Menschen, die den Kontakt zur Nachbarschaft suchen und die ein attraktives und sehr einladendes Kulturprogramm auf die Beine stellen. Wir empfinden das als ausgesprochene Bereicherung unseres Viertels und wünschen uns, dass auch die anderen leer stehenden Häuser der Grawertstraße endlich wieder bewohnt werden.

Da die Britischen Streitkräfte nun die Häuser zurückgegeben haben, ist jetzt der Zeitpunkt, um die Weichen richtig zu stellen: für guten und preiswerten Wohnraum statt Vermarktung um jeden Preis. Bei einem Besuch in dem bewohnten Haus konnten wir uns davon überzeugen, dass es gut geeignet ist als Wohnraum für Lebensgemeinschaften oder auch für Familien.

Wir fordern Sie auf: Verhandeln Sie mit den Bewohner/innen der Grawertstraße über die weitere Nutzung des Hauses! Entwickeln Sie Konzepte, die eine sozialverträgliche Nutzung der weiteren Häuser der Grawertstraße sicherstellen! Es gäbe einige Möglichkeiten, die Häuser in der Grawertstraße für Menschen mit begrenzten finanziellen Mitteln verfügbar zu machen. Wir können uns vorstellen, dass z. B. das Studentenwerk oder der Wohnungsverein von 1895 e. V. hier geeignete Partner sein können. Der Arbeitskreis „Zukunft der Grawertstraße“ entwickelt zur Zeit weitere Ideen. Nutzen Sie die Fantasie der Bewohner/innen der Grawertstraße und der Nachbarschaft!

Ziehen Sie die Strafanzeige zurück! Respektieren Sie die Belebung der Grawertstraße!

Mit freundlichen Grüßen, xxx

Solidaritätserklärungen

Immer wieder erreichen uns Ermunterungen, weiter zu machen, längere und kürzere. Wir freuen uns darüber. Hier dokumentieren wir einen längeren Brief aus der Frauenstraße 24.

Solidarität mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der Grawertstrasse 34!

Der Kulturverein Frauenstrasse 24 e.V. erklärt sich mit den Besetzerinnen und Besetzern der Grawertstr. 34 solidarisch.

Die Frauenstraße 24 ist ebenfalls aus einer Hausbesetzung hervorgegangen und hat es geschafft, diese im Laufe von 10 Jahren schwierigster Auseinandersetzungen zu legalisieren. Das Kulturzentrum F24 ist zu einer nicht mehr wegzudenkenden Institution in Münster geworden. 21 StudentInnen haben in diesem Haus dauerhaft über mehrere Studentengenerationen eine Bleibe gefunden. Auch damals waren es junge Menschen, die Schwierigkeiten hatten, bezahlbaren Wohnraum in Münster zu finden. Der Verein Frauenstraße 24 hat es sich aus diesem erfolgreichen Abwehrkampf heraus zur Aufgabe gemacht, sich für bezahlbaren Wohnraum in Münster einzusetzen.

Wir hoffen dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und die Vertreter der Britischen Streitkräfte das notwendige Fingerspitzengefühl haben, ein positives Ende des Leerstandes einvernehmlich mit den jetzigen BesetzerInnen herbeizuführen. Statt das Gespräch mit den BesetzerInnen zu suchen und mit Ihnen gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, haben die jetzigen Eigentümer erst einmal mit der juristischen Keule argumentiert. Dabei sollten wir uns freuen, dass es immer wieder junge Menschen gibt, die sich für soziale und politische Dinge unbefangen einsetzen. Das ist auch immer wieder Garant, für die Lebendigkeit dieser Stadt.

Aus den Kontakten im Verein und mit vielen Menschen insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund wissen wir, wie schwer es sein kann, preiswerten Wohnraum in Münster zu finden. Ein Leerstand, sei er auch nur vorübergehend, ist nicht zu dulden. Die Stadt Münster mit seinem Oberbürgermeister Lewe sollte hier eindeutig Partei ergreifen, statt zuzulassen, dass die Menschen, die den Finger in die Wunde legen kriminalisiert werden.

Die CDU hat in den letzten Wochen schon so manch überraschende Wendung vollzogen, dagegen wäre die Unterstützung der HausbesetzerInnen nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Offensichtlich ist dies auch im Interesse der NachbarInnen, die sich über die Belebung nach jahrelangem Leerstand freuen.
Auch nur daran zu denken, dass die BesetzerInnen die Häuser mit voll aufgedrehten Heizungen bezugsfertig vorgefunden haben, macht deutlich wieviel Geld hier verschwendet wurde.

Wir wünschen den Besetzerinnen und Besetzern weiterhin viel Kraft und Durchhaltevermögen. Freiräume müssen erkämpft und erstritten werden, jede Generation muß darin Ihre eigenen Erfahrungen von Gemeinschaft und Widerstand machen.

Der Kulturverein Frauenstraße 24 e.V. will Euch dabei mit Rat und Tat unterstützen und wünscht Euch viel Glück bei der Erreichung Eurer Ziele.

Gez.
Kulturverein Frauenstraße 24 e.V.
Der Vorstand

Eine andere Zuschrift:

Hallo ihr! Vielen herzlichen Glückwunsch zu allem und sechs Daumen hoch für euer
Engagement und eure Kraft, das Projekt anzugehen und so weit durchzustehen! Ganz
ganz liebe Grüße und wir kommen natürlich auch bald vorbei!

Und noch ein Foto aus der Hafenstraße:
Solidaritätserklärung in der Hafenstra�e

Andauernde Solidarität durch die Nachbarschaft und Spielen in der neu belebten Grawertstraße

Die Solidarität in der Nachbarschaft ist weiter ungebrochen. Am Freitag Nachmittag wurde zum Beispiel ein Korb mit Imkerhonig aus der direkten Umgebung vorbei gebracht, am Samstag Morgen gab es frische Brötchen, ein ganzes Klappstuhlset steht zur Abholung duch die Bewohner_innen bereit, der Kühlschrank ist in Betrieb genommen und das Geschirrset in der Grawertstraße 34 ist schon fast vollständig. Die Bewohner_innen bedanken sich herzlichst für die andauernden Solidaritätsbekundungen und die praktische Hilfe.

Ob Rollerskates, Fahrrad, Roller oder Longboard Fahren, Fußball Spielen, oder mit Kreide die Straße Bemalen: Kinder aus der Nachbarschaft beleben die ehemalige Geisterstraße und werden von den Bewohner_innen, genauso wie die vielen interessierten Erwachsenen, herzlich willkommen geheißen. Sie spielen, malen und spaßen einfach gerne mit und lassen sich von der Energie der Kinder mitreißen.
Deswegen sagt eine Mitbewohnerin der Grawertstraße zu allen Kindern der nahen und fernen Umgebung: „Kommt jederzeit vorbei! Wir haben alte Tapete und noch ein paar Farben und einige Pinsel. Ihr könnt dann bei uns an der Tür klingeln und etwas malen, die Bilder dann mitnehmen oder bei uns in die Wohnung hängen. Bei Regenwetter können wir im Haus malen und sonst in der Sonne im Garten.“

Solidaritätserklärung mit dem autonomen Zentrum in Köln

Nicht nur in Münster versuchen Menschen Kulturangebote für Leute mit wenig Geld und abseits des Mainstreams zu organisieren. Deshalb erklären wir uns solidarisch mit den Besetzer_innen des Autonomen Zentrums in Köln und haben folgende Mail zur Unterstützung verschickt:

Liebe Leute im Autonomen Zentrum Köln,

wir freuen uns, dass ihr so lange schon ein autonomes Zentrum aufgebaut habt. Wir können leider nicht kommen und euch bei der Verteidigung eures Zentrums helfen, weil wir hier in Münster gerade selbst einen neuen Raum genommen haben. In der Grawertstraße in der Nähe von Münster-Coerde steht seit Jahren ein ganzer Straßenzug leer, also sind wir am vergangenen Freitag eingezogen.
Es ist ein Unding, dass ihr jetzt, nachdem ihr fast ein Jahr kulturelle und politische Veranstaltungen selbstorganisiert auf die Beine gestellt habt, geräumt werden sollt. Unabhängig organisierte Kultur ist gerade für Menschen mit kleinem Geldbeutel und Menschen, die sich jenseits des Mainstreams bewegen wollen, von großer Bedeutung. Deshalb versuchen wir auch ein soziales, politisches und kulturelles Programm auf die Beine zu stellen. Wir möchten, dass alle Räume, die so etwas ermöglichen, erhalten bleiben. Autonome Zentren für alle!
Wir wünschen euch bei der Verteidigung des Zentrums ganz viel Glück und Erfolg und sind in Gedanken bei euch.

Solidarische Grüße,
die Bewohner_innen der Grawertstraße