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PM: Trotz Räumung: Verhandlungen über Wohnkonzept mit Kommune gehen weiter

Heute morgen um neun Uhr wurde das soziale Wohnprojekt der Grawertstr. 34 von der Polizei geräumt. Nach fast drei Wochen, in denen viele Menschen vorbei kamen und sich über die Belebung der Straße freuten, hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) die Grawertstraße nun polizeilich räumen lassen. Das und die konsequente Verweigerung jeglicher Verhandlungen enttäuscht die ehemaligen Bewohner_innen sehr: „Für uns ist es unverständlich warum dieser drastische Schritt nun doch vollzogen wurde, gerade zu einem Zeitpunkt, an welchem die Verhandlungen mit der Stadt Münster angefangen hatten, konstruktiv zu werden. Wir sind traurig und wütend, aber wir werden Leben in die Grawertstraße bringen.“

Mit dem Rausschmiss ist die Diskussion um die Grawertstraße jedoch nicht beendet, nach der Freigabe durch die britischen Streitkräfte, die bereits erreicht wurde, ist noch viel möglich.
„Auch wenn wir nun nicht mehr vor Ort sind, werden uns doch weiterhin für die offene Beteiligung bei den Planungen zur Nutzung der Grawertstraße einsetzen.“, so ein Beteiligter. Nach ermutigenden Gesprächen mit verschiedenen kommunalen Vertretern freuen sich zahlreiche Menschen auf konstruktive Verhandlungen mit der Wohn+Stadtbau. Dort wünschen sie sich, dass das Gesamtkonzept von selbstbestimmtem Wohnen umgesetzt wird und sogleich der Aspekt des bezahlbaren Wohnraums für die gesamte Grawertstraße erhalten bleibt.
Momentan fehlen in Münster nach den Berichten der letzten Tage zahlreiche Wohnungen. Dies bestätigt die ehemaligen Bewohner_innen in ihrem Tun.

„Wir fühlen uns wohl und erfahren viel Unterstützung aus der Nachbarschaft. Zu unseren wichtigsten Anliegen zählen ökologisches, integratives und generationenübergreifendes Wohnen und dass die Grawertstraße gemeinsam kreativ zu einer autofreien Siedlung umgestaltet wird“, so eine der kreativen Köpfe des Projektes. Das Programm war gut besucht und zog stets neue Menschen mit neuen Ideen an. So wurde Kultur selbst gestaltet und gelebt. Heute Abend um 20 Uhr in der Grawertstraße wird ein Treffen stattfinden und in den nächsten Tagen wird überlegt, wie weiter die Zukunft gestaltet werden kann.

Bild von der Räumung

hope

Military Police

Anderes Haus

PM: Keine Gesprächsbereitschaft der BImA in Dortmund

Heute morgen ist eine Gruppe von Sprecher_innen des Plenums der Grawertstraße gemeinsam mit Unterstützer_innen nach Dortmund gefahren, um vor Ort mit zuständigen Personen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in ein konstruktives Gespräch über die legale, sinnvolle Nutzung der Häuser in der Grawertstraße zu kommen.

Die Gruppe wurde zu ihrer Überraschung mit großen Polizeipräsenz vor dem Gebäude der BimA bereits erwartet. „Wir sind verwundert,“ gibt eine Sprecherin des Plenums offen zu, „wir suchen ein persönliches, offenes Gespräch mit einer Behörde und werden seitens der Zuständigen mit Unterstützung der Polizei auf Distanz gehalten“.
Im Verlauf kam es so auch mit dem zuständigen Sachbearbeiter Herrn Hubert Hoppe zu keinem konstruktiven Gespräch. Er äußerte sich ablehnend, schien jedoch auch über frühere Aussagen der BimA-Verwaltungszentrale in Bonn nicht informiert zu sein. Diese ließ verlauten, dass über eine Zwischennutzung nachgedacht werden könnte. Verunsichert nahm Herr Hoppe eine vorbereitete Mappe der Sprecher_innen entgegen, legte sie jedoch schnell wieder auf den Boden vor deren Füße. Mit den darin enthaltenen, detailreichen Vorstellungen des Projekts, Fotos, Presseartikeln und Zukunftsplanungen wollte er sich nicht beschäftigen und verschwand wieder im Haus. „Das ist schon frustrierend,“ meint ein Sprecher des Plenums, „wenn wir mit Ideen des Plenums und einer grundlegenden Bereitschaft, symbolische Miete für die drei Monate Zwischennutzung bezahlen zu wollen, so rundweg abgelehnt werden“. Die Zwischennutzung erhoffen sich die Bewohner_innen vor allem deshalb, um bis Juni tragfähige Konzepte für eine sozial-ökologische Nutzung gemeinsam ausarbeiten zu können. Hierfür wäre ein gemeinsamer Vernetzungspunkt wie es die Grawertstraße 34 in den letzten Wochen geworden ist, äußerst wichtig. „Letztlich profitiert die BimA gerade von der Bewohnung und der dadurch angestoßenen Rückgabe der Gebäude und sollte sich deshalb erst recht um eine soziale Nutzung bemühen“, so eine Unterstützerin.
Im Gespräch mit weiteren Anwesenden erfuhr die Gruppe, dass Frau Roschig in der höheren Dienststelle in Bonn eine weitere Ansprechpartnerin darstellen könnte. Im Plenum wird nun über diese Option weiter beraten. „Wir hoffen, dass die Behörden doch noch konstruktive Gespräche aufnehmen werden, vernetzen uns weiterhin mit Politik und interessierten Gruppen und arbeiten an positiven Konzepten für die lebendige Nutzung der Grawertstraße“, fasst ein Unterstützer die Stimmung nach dem Besuch zusammen. Über öffentliche und private Unterstützung und Solidarität in dieser, immer noch von Räumung bedrohten Situation, würden sich die Bewohner_innen sehr freuen.

BImA Transpis Dortmund

Herr Hoppe

7. April: Briten geben die gesamte Grawertstraße zurück – weitere Aktionen

Die Bewohner_innen der Grawertstraße wünschen sich eine breite, öffentliche Auseinandersetzung über den Leerstand in der Grawertstraße und generell über der Wohnungssituation in Münster. Durch den öffentlichen Einzug wurde bereits erreicht, dass die Britische Armee alle ihr zur Verfügung gestellten Häuser in der Grawertstraße an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) zurückgeben will. Damit ist es nun ein rein politische Entscheidung, was auf den Häusern wird.

Gemäß des Vertrags zwischen den Britischen Streitkräften und der BImA werden die 50 Wohnungen in frühestens 90 Tagen an die BImA zurückgegeben. Für diese Zeit besteht für beide Seiten also ganz offensichtlich kein Nutzungsinteresse. Es ist daher unverständlich, warum die BImA mit Hilfe der Polizei eine Räumung der Häuser durchsetzen will.

„Da uns die sicherlich ergangenen Angebote der BImA, mit uns über eine Nutzung zu verhandeln, bisher nicht erreicht haben, haben wir uns nun entschlossen, selber einen Verhandlungstermin festzulegen und die BImA in Dortmund zu besuchen. Eine Verhandlungsdelegation wird Freitag um 10 Uhr den Termin wahrnehmen und versuchen mit der BImA eine Verhandlungsgrundlage zu schaffen.“, so eine Bewohnerin.

Die Häuser in der Grawertstraße stehen seit Jahren leer. „Es geht jetzt darum sicherzustellen, dass die Grawertstaße tatsächlich in günstigen Wohnraum umgeformt wird und die zahlreichen erarbeiteten Ideen umgesetzt werden können“, betont eine Teilnehmerin des Perspektiven-Arbeitskreises.

Da der Zuspruch weiterhin sehr groß ist und immer mehr Unterstützer der Bewohnung der Grawertstraße sich zu Wort melden, wird das Kulturprogramm fortgesetzt. Auch an diesem Sonntag nachmittag wird wieder zu einem Nachbarschaftskaffee, diesmal mit einem Theater-Workshop für Kinder und Zauberer, eingeladen.

Pressemitteilung: Besichtigungen und Perspektiven

5. Pressemitteilung, Dienstag 5.4.

Die Grawertstraße in Münster ist weiterhin bewohnt. Die Bewohner_innen möchten auch auf die Wohnsituation sozial und kulturell benachteiligter Menschen hinweisen. Ein Arbeitskreis beschäftigt sich mit einer langfristigen Perspektive zur Nutzung der Grawertstraße.

In der vergangenen Woche kamen viele interessierte Menschen zur Wohnungsbesichtigung. Gerade einige Flüchtlingsfamilien bekundeten ihr Interesse, einzuziehen. Diese haben es oft aufgrund von Sprachschwierigkeiten und rassistischen Vorurteilen noch viel schwieriger eine Wohnung zu finden, als zum Beispiel Studierende. Auch den Weg des einfachen Einzugs in ein leerstehendes Gebäude zu gehen ist mit einem unsicheren Aufenthaltsstatus nicht so einfach, denn für Ausländer kann jeder einfache Verstoss gegen ein Gesetz zur Abschiebung und damit zu viel
weitreichenderen Konsequenzen führen als für die jetzigen Bewohner_innen der Grawertstraße.
„Generell ist es unverständlich, dass der Einzug in leerstehende Häuser kriminell sein soll. Dabei soll gleichzeitig die Verdrängung von ärmeren Menschen aus den Innenstädten zur „Aufwertung“ dieser Stadtteile legal sein. Das ist nicht akzeptabel.“, so ein Bewohner der Grawertstraße 34.

„Wir möchten, dass hier verschiedene Menschen einziehen können, Flüchtlinge, körperlich Beeinträchigte, Alte und Junge.“, so eine Bewohnerin, „Dazu ist es nötig, dass dieser Wohnraum günstig wird.“ Es ginge nicht darum, bloß den Leerstand zu beenden und die Wohnungen höchstbietend zu versteigern.

Um diese Vorstellungen zu verwirklichen, gründete sich am vergangenen Mittwoch ein Arbeitskreis zu Perspektiven der Grawertstraße unter Beteiligung von Bewohner_innen, Anwohner_innen und Interessierten.
Verschiedene Ideen wurden diskutiert: Die Wohnungen sollten nur mit Wohnberechtigungsschein zugänglich sein, die Straße solle autofrei werden, es solle Platz für Wohnwägen und Jurtenzelte geben. Um ökologisch zu leben, sollen die Häuser energetisch saniert werden, interkulturelle Gärten angelegt und ein Schulungszentrum für Gartenbau, Permakultur und biologisches Bauen eingerichtet werden. Neben einer Kinderbetreuung wurde auch eine Seniorenbetreuung ins Gespräch gebrachtet. Das ganze Projekte solle gemeinsam in Selbstverwaltung durchgeführt werden.
Die ganze Ideensammlung lässt sich im Treppenhaus der Grawertstraße 34 bestaunen, die weiteren Entwicklungen im Arbeitskreis werden auch auf http://grawertstrasse.blogsport.de/zukunft-der-grawertstrasse/ veröffentlicht. Der offene Arbeitskreis trifft sich am Donnerstag das nächste Mal.

3. Pressemitteilung

Grawertstraßen-Bewohner_innen suchen Kontakt zu Eigentümer_innen und setzen ihr Kulturprogramm fort

Seit vergangenem Freitag leben in der ansonsten leer stehenden Grawertstraße junge Menschen, weil sie keine günstigen Wohnungen finden und auf den Leerstand in Münster hinweisen wollen. Der Mangel an günstigem Wohnraum ist für viele Menschen in Münster, egal ob alt oder jung, spürbar. „Dabei gibt es viele Leute, die es noch viel schwieriger haben als wir, eine Wohnung zu finden, zum Beispiel Flüchtlinge.“, so ein Bewohner der Grawertstraße, „Wir möchten zusammen leben, ökologische Projekte verwirklichen und eine Plattform für politische Diskussionen und soziale Angebote bieten.“

Die Bewohner_innen der Grawertstraße bemühen sich weiter den Kontakt mit der britischen Armee und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) auszubauen. In einem telefonischen Gespräch mit einem Vertreter der britischen Armee wurde mitgeteilt, dass die Armee „nicht zuständig“ sei. Ein direkter Kontakt mit der BImA war der Gruppe der Grawertstraße bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Um den Dialog weiter in Gang zu bringen wurden nun Briefe an die britische Armee und die BImA verschickt. Bei Anfragen an die BImA durch Nachbar_innen und durch die jetzigen Bewohner_innen vor dem 25.3.2011 erwiderte die BimA, dass die Häuser nicht zu vermieten seien. Bei den Stadtwerken meldete sich die Gruppe aus der Grawertstraße bereits förmlich an und wird den Kontakt weiter ausbauen.

Um Alternativen zu dem Leerstand zu entwickeln und eine künftige, soziale und bunte Nutzung der Grawertstraße zu ermöglichen, fand am Mittwoch ein erstes Treffen der Perspektiven-Arbeitsgruppe statt.
Zu den nächsten Treffen der AG sind alle Interessierten eingeladen. Die Termine werden auf der Homepage www.grawertstrasse.blogsport.de veröffentlicht.

Das Veranstaltungsrogramm wird sich weiter fortsetzen, unter anderem mit kostenlosem Nachhilfeunterricht am Donnerstag, dem 31. März. von 15 bis 17 Uhr, einem weiteren Nachbarschaftscafé am Sonntagnachmittag, sowie einem englisch-deutschen Literaturabend am Dienstag, dem 5. April. Das Haus steht Nachbar_innen und Interessierten weiterhin jederzeit offen.