Pressemitteilung: Besichtigungen und Perspektiven

5. Pressemitteilung, Dienstag 5.4.

Die Grawertstraße in Münster ist weiterhin bewohnt. Die Bewohner_innen möchten auch auf die Wohnsituation sozial und kulturell benachteiligter Menschen hinweisen. Ein Arbeitskreis beschäftigt sich mit einer langfristigen Perspektive zur Nutzung der Grawertstraße.

In der vergangenen Woche kamen viele interessierte Menschen zur Wohnungsbesichtigung. Gerade einige Flüchtlingsfamilien bekundeten ihr Interesse, einzuziehen. Diese haben es oft aufgrund von Sprachschwierigkeiten und rassistischen Vorurteilen noch viel schwieriger eine Wohnung zu finden, als zum Beispiel Studierende. Auch den Weg des einfachen Einzugs in ein leerstehendes Gebäude zu gehen ist mit einem unsicheren Aufenthaltsstatus nicht so einfach, denn für Ausländer kann jeder einfache Verstoss gegen ein Gesetz zur Abschiebung und damit zu viel
weitreichenderen Konsequenzen führen als für die jetzigen Bewohner_innen der Grawertstraße.
„Generell ist es unverständlich, dass der Einzug in leerstehende Häuser kriminell sein soll. Dabei soll gleichzeitig die Verdrängung von ärmeren Menschen aus den Innenstädten zur „Aufwertung“ dieser Stadtteile legal sein. Das ist nicht akzeptabel.“, so ein Bewohner der Grawertstraße 34.

„Wir möchten, dass hier verschiedene Menschen einziehen können, Flüchtlinge, körperlich Beeinträchigte, Alte und Junge.“, so eine Bewohnerin, „Dazu ist es nötig, dass dieser Wohnraum günstig wird.“ Es ginge nicht darum, bloß den Leerstand zu beenden und die Wohnungen höchstbietend zu versteigern.

Um diese Vorstellungen zu verwirklichen, gründete sich am vergangenen Mittwoch ein Arbeitskreis zu Perspektiven der Grawertstraße unter Beteiligung von Bewohner_innen, Anwohner_innen und Interessierten.
Verschiedene Ideen wurden diskutiert: Die Wohnungen sollten nur mit Wohnberechtigungsschein zugänglich sein, die Straße solle autofrei werden, es solle Platz für Wohnwägen und Jurtenzelte geben. Um ökologisch zu leben, sollen die Häuser energetisch saniert werden, interkulturelle Gärten angelegt und ein Schulungszentrum für Gartenbau, Permakultur und biologisches Bauen eingerichtet werden. Neben einer Kinderbetreuung wurde auch eine Seniorenbetreuung ins Gespräch gebrachtet. Das ganze Projekte solle gemeinsam in Selbstverwaltung durchgeführt werden.
Die ganze Ideensammlung lässt sich im Treppenhaus der Grawertstraße 34 bestaunen, die weiteren Entwicklungen im Arbeitskreis werden auch auf http://grawertstrasse.blogsport.de/zukunft-der-grawertstrasse/ veröffentlicht. Der offene Arbeitskreis trifft sich am Donnerstag das nächste Mal.